| TANGO: Carel Kraayenhof & «Sexeto Canyengue» |
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TANGO
«CAREL KRAAYENHOF STREET TANGO ORCHESTRA» Argentina Montag, 25.07.05, Kaufleuten Zürich "Die Straße ist wie ein Theater des Lebens", beginnen die Liner Notes von "Street Tango", dem aktuellen, fünften Album des Bandoneonvirtuosen und Tangoexperten Carel Kraayenhof. Der 46-jährige Holländer, der schon mit Yo-Yo Ma, Ennio Morricone und Tangolegenden wie Astor Piazzolla und Osvaldo Pugliese arbeitete und weltweit durch seine Darbietung von Piazzollas "Adios Nonino" während der Trauung von Prinz Willem und Prinzessin Maxima bekannt wurde, belebt auf diesem wunderschönen Album die "Straßenmusiken" seiner musikalischen Idole Leonard Bernstein und Astor Piazzolla. Liebevoll und versiert schlägt er Brücken von New York nach Buenos Aires, von Bernsteins "West Side Story" zu Piazzollas "Tango Apasionado". Logische und konsequente Verbindungen, wie man den ausgiebigen Liner Notes entnimmt: Bernstein interessierte sich immer auch für lateinamerikanische Musik und Piazzolla erlebte die "West Side Story" schon 1958 am Broadway und wurde davon schließlich zu seinem eigenen Tango-Musical "Tango Apasionado" inspiriert. Indem Kraayenhof einige der großartigen Songs Bersteins neben die des argentinischen Meisters stellt, ebnet er nicht nur einem imaginären Superhighway von New York nach Buenos Aires den Weg. Vielmehr verrühren und berühren sich die Essenzen dieser anscheinend so verschiedenen amerikanischen Welten in seinem akustischen Schmelztiegel. "Leonard Bernstein und Astor Piazzolla kannten sich in dieser Welt vielleicht nicht, aber wir können sicher sein, dass sie im Musikerhimmel die besten Companeros sind", schreibt Jamie Bernstein Thomas, Komponistin und Tochter des Maestro, in einem Text zu "Street Tango". Auch die Autorin Diana Piazzolla findet in ihren Anmerkungen Parallelen: "Die Musik von Piazzolla und Bernstein besitzt eine unendliche Leidenschaft, die ihren Ursprung in Großstädten findet... Städten wie New York und Buenos Aires, wo sich Gewalt und Zärtlichkeit vereinen." Die Tango-Interpretationen von Carel Kraayenhof und seinem preisgekrönten "Sexteto Canyengue" führen die musikalischen Metropolen gleichzeitig zu ihren gemeinsamen Ursprüngen und in eine vereinende Zukunft. So wirkt der Tango, dieses Gebräu von Volksmusikmelodien der italienischen, spanischen, französischen, polnischen, russischen und deutschen Auswanderer mit einer Portion Chopin, Bach und Gershwin und einem Hauch von afrikanischen Rhythmen, das sowohl Klassikenthusiasten wie Jazzfans und Popfreunde begeistert, wie der größte gemeinsame Nenner. Es ist egal, ob den Hörer "Libertango" an Grace Jones oder Piazzolla selbst erinnert, ob man Bernsteins "West Side Story" aus dem Kino oder von der Opernbühne kennt, ob man den Tango erst seit dem "Gotan Project" oder schon immer liebt. Wichtig ist, dass man sich einlässt, auf diese lebensnahe und theatralische Straßenmusik. Dass man ihr einfach nur zuhören muss, um sich in ihren Bann ziehen zu lassen, erleichtert es umso mehr, ihr das Herz zu öffnen. Carel Kraayenhof kommt am 15. Juli 1958 in Aalst/ Walre zur Welt. Mit acht Jahren bekommt er Klavierunterricht, mit 26 wechselt er zum Bandoneon. Nach einem Jahr gründet der Autodidakt sein Ensemble "Tango Cuatro". Schon im Jahr darauf lädt ihn Astor Piazzolla persönlich ein, das Solo-Bandoneon in seinem "Tango Apasionado" zu spielen. Drei Monate lang begeistert Kraayenhof das Publikum an der West Side von Manhattan in diesem Stück, das auf Texten von Jose Luis Borges basiert und von der Kritik als eine Art "West Side Story" des Buenos Aires um die vorletzte Jahrhundertwende gefeiert wird. Zurück in den Niederlanden erweitert Kraayenhof sein "Tango Cuatro" zum heutigen "Sexteto Canyengue", das 1990 vom Tangostar Osvaldo Pugliese auf eine gemeinsame Tour durch Argentien und Uruguay eingeladen wird. Auf dieser enorm erfolgreichen Tour entsteht auch der Dokumentarfilm "Embraced by the Tango" des Regisseurs Leendert Pot. 1991 besucht Pugliese seinen niederländischen Kollegen in dessen Heimat und tritt zusammen mit seinem "Sexteto" im "Koninklijk Theater Carré" in Amsterdam auf. Zu Beginn der 90er Jahre folgen die ersten nationalen Auszeichnungen. 1993 gründet Kraayenhof am Konservatorium von Rotterdam den Fachbereich "Argentijnse Tango", eine auf dieser Ebene weltweit einzigartige Einrichtung. Immer häufiger tritt der Bandoneon-Experte jetzt auch mit immer namhafteren Orchestern auf, arbeitet mit Kollegen wie Yo-Yo Ma oder der Filmemacherin Sally Potter zusammen. Nicht zuletzt fühlt sich Gidon Kremer 1998 nach dem Besuch eines "Sexteto Canyengue"-Konzerts inspiriert, eine eigene CD mit Tangos aufzunehmen. Der öffentlichkeitswirksamste Auftritt des Instrumentalisten ist jedoch sein "Adios Nonino" mit dem "Concertgebouw Kammerorchester" im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten von Prinz Willem Alexander und Maxima am 2. Februar 2002. Ob es an Maximas Rührungsträne oder der Melodie dieses herzzerreißenden Abschiedsliedes liegt, jedenfalls schließen die Holländer den Bandoneonspieler und seine Musik umgehend in ihre Herzen. Er avanciert zu einer Art Nationalheld und entfacht eine nie zuvor da gewesene, kollektive Begeisterung für den Tango. Eine bald veröffentlichte Single verkauft sich 30.000 mal, das dazugehörige Album "Tango Royal” geht sogar 100.000 mal über den Ladentisch. Seine Konzerte sind über Nacht (und seitdem!) immer und umgehend ausverkauft. Ende des Jahres erscheint mit "Nostalgia? – a tango road movie" der dritte Dokumentarfilm über Kraayenhof und sein Ensemble. Dieser eindrucksvolle 55-minüter von Regisseur Wouter Hasebos, der eine Argentinienreise Kraayenhofs zum zehnten Todestag Piazzollas begleitet, ist der neuen CD "Street Tango" als Bonus-DVD beigefügt. Während der Bandoneonist nämlich noch mit den holländischen Popstars "Blöf" und Herman van Veen oder der Sängerin Dulce Pontes arbeitet und die Filmmusik für "Guardians Of The Clouds" mit Ennio Morricone aufnimmt, geht er bereits im Sommer 2003 ins Studio, um dieses neue Album aufzunehmen. Die natürliche und kunstvolle Gegenüberstellung (oder besser: Zusammenführung) der Musik Piazzollas und Bernsteins auf "Street Tango" ist vielleicht der schönste Weg, die nationale Begeisterung für Kraayenhof und seine Musik zu einem internationalen Phänomen werden zu lassen. "Tango gehört dem Volk", meint Carel Kraayenhof, der in seiner Heimat zwar die größten Konzertsäle und Pop-Arenen füllt, aber nie den Bezug zu seinem Publikum oder den Ursprüngen seiner Musik verloren hat. Und eben: "Die Straße ist wie ein Theater des Lebens." Erfrischend ungewöhnliche und angenehm traditionsreiche Musik für die alltäglichen und die besonderen Schauspiele dieser Lebensbühne findet sich auf "Street Tango". So außergewöhnlich interpretiert, dass man sich unmittelbar und persönlich davon berührt fühlt. Wen sollte es wundern, wenn Carel Kraayenhof und sein "Sexteto Canyengue" aus der schwelenden Tangobegeisterung der Deutschen nicht doch noch eine lodernde Faszination entzünden? http://www.bloomline.net |
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